Dienstag, 29. Oktober 2013

Briefkastenfirma gründen

Ein Zauberwort im Wirtschaftsverkehr ist die Briefkastenfirma. Jeder weiß, was ein Briefkasten ist. Aber nicht jeder weiß, was eine Firma ist. Und die wenigsten wissen genau, was eine Briefkastenfirma ist. Nach § 17 Handelsgesetzbuch (HGB) ist die die Firma eines Kaufmanns der Name, unter dem er seine Geschäfte betreibt und die Unterschrift abgibt.

Es ist sehr einfach, eine Firma zu gründen, aber es geht viel einfacher. Eine Gesellschaft zu gründen ist noch einfacher. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist eine Vereinigung von mindestens zwei Personen, die sich durch einen Vertrag verpflichten, ein gemeinsames Ziel zu erreichen (§ 705 BGB). Wenn also Jochen und Bernd zusammen eine Website basteln um über diesen Internetauftritt Hundevideos ins Internet zu stellen oder eine Singelbörse mit Chat zu betreiben, sind sie bereits eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Etwa die "Schnuffivideo GbR". Wenn nun diese "Schnuffivideo GbR" nicht so gerne der deutschen Impressumspflicht unterliegen möchte, kann sie den Betrieb einfach ins Ausland verlagern und dort ein Postfach mieten, über welches möglicher Schriftverkehr laufen kann.

Also: Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) durch einfachen handschriftlichen Vertrag gründen, Briefkasten im Ausland mieten und schon hat man eine funktionierende Briefkastenfirma ohne jeglichen Gründungsaufwand und laufende Kosten nur für die Erhaltung der Gesellschaft. Natürlich funktioniert das ganze auch als Einzelperson. Es gibt kein rechtliches und erst recht kein tatsächliches Hindernis dafür, eine Postadresse im Ausland als "Schnufficonsulting" anzumieten, solange die Jahresmiete im Voraus bezahlt wird. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und der böse Abmahner guckt in die Röhre. Die Tarife für eine Auslandsadresse finden Sie HIER.

Kommentare:

  1. Es gibt derzeit noch keine Rechtlichen Gründe es zu verbieten, aber die Legislative wird da sicher noch ein Schlupfloch finden.Freunde von mir arbeiten auch Virtuelles Büro in Wien, welche zum Teil auch für Ausländische Firmen, die in Wien einen Standort gründen wollen, als Briefkastenfirma. Der Trend ist vor allem bei Kleinstunternehmern steigend, immer mehr wollen diese Form von Dienstleistungen für sich beanspruchen. Natürlich auch verständlich, wergibt schon gerne mehr Geld aus, als nötig.
    Bin echt verdammt gespannt, wie sich diese Marktsituation in Zukunft entwickelt.
    Tolles Blogthema. Lese eure Artikel immer mit hohem Interesse.
    LG,
    Manuela

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  2. Mich würde es vor allem Mal interessieren, wie man einen Webshop so betreiben kann, das Kunden und Konkurrenten keine Chance haben mir wegen "deutschem /EU-Recht" in irgend einer Weise ans Bein zu pinkeln. Will selber entscheiden können ob und wann ich Rücknahmen akzeptiere oder nachbessern möchte. Habe kein Interesse daran für die Entsorgung meiner Waren und Produkte gerade zu stehen oder irgendwie dafür zu haften.

    Möchte genauso frei sein wie ein chinesischer Lieferant der nach Deutschland liefert. Da kann ja auch keiner klagen, und wenn bringt es eh nix. Auch Anzeige e.t.c. bringt da nix.

    Diese Freiheit hätte ich gerne, dann macht Unternehmertum endlich wieder Spaß, wenn man nicht mit einem Bein im Knast oder in der Insolvenz steckt.

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  3. Es ist nur schade, dass Briefkastenfirmen generell oder zumindest fast immer als "schwarze Schafe" hingestellt werden. Denn warum gründet man lieber eine ausländische Briefkastenfirma als in Deutschland seine Firmenadresse laufen zu lassen? Schuld ist doch der Staat, der es den Unternehmern nicht wirklich einfach macht. Und wie sagt man so schön... Jeder muss sehen wie er mit dem Ars.... an die Wand kommt". Jeder Unternehmer möchte Geld machen und natürlich Kosten und unnötigen Bürokratieaufwand vermeiden bzw. verringern. Das ist doch der Grund warum man dann seine Firmenadresse im Ausland anmeldet. Ich würde kurz und knapp dazu sagen: Deutschland du bist selbst schuld daran. http://www.gruendungskanzlei.eu/

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